12. Schmerzkontrolle, Schmerztherapie

Es gibt verschiedene Methoden, mit denen man lernen kann, Schmerzen zu  vermindern oder auch abzuschalten. Dafür sind in der Regel viele Jahre täglicher  Meditation oder Yogaübungen erforderlich. Für diese sehr wertvollen Praktiken  haben in der westlichen Welt jedoch viele berufstätige Menschen nicht die  erforderliche Zeit. Und auch wenn Sie Meditation oder Yoga praktizieren, sind die  Erfolge bei der Schmerzabschaltung selbst nach vielen Jahren der Praxis oft  unbefriedigend.

Die Schmerzabschaltung mittels Hypnose können Sie unter Anleitung in einer  einzigen Sitzung lernen. Haben Sie die Selbsthypnose erlernt und eine Zeit lang  praktiziert, sollte die Schmerzabschaltung kein Problem mehr für Sie darstellen. Mit  ein wenig Übung sollten Sie dann in der Lage sein, innerhalb von Sekunden an  jeder beliebigen Stelle des Körpers die Schmerzempfindung abzuschalten.

Das ist nicht nur sinnvoll im Rahmen der Schmerztherapie, sondern kann auch  unangenehme Behandlungsprozeduren deutlich erleichtern. In der Literatur wird  das Phänomen als hypnotische Anästhesie bezeichnet. (*1)

Schritte zum Erlernen der Schmerzabschaltung :

  • Sie pieksen vorsichtig mit einer Nadel auf die Haut des linken Armes und  spüren, wie es sich anfühlt. Dann legen Sie ein dickes Stück Stoff auf die Haut und  pieksen erneut. Dieses Mal werden Sie nicht das Stechen der Nadelspitze spüren,  sondern nur den Druck der Berührung. Jetzt haben Sie eine Vorstellung, wie es  sich anfühlen könnte, wenn der Schmerz abgeschaltet ist.
  • Sie gehen in die Selbsthypnose und geben sich die Suggestion:
    “Mein linker (rechter) Arm ist ganz kühl, taub, unempfindlich und schmerzfrei. Die  Durchblutung vermindert sich und alle Gefühle, Wahrnehmungen und  Empfindungen ziehen sich zurück. (Mehrfach wiederholen.) Nach der Suggestion  testen Sie mit einem spitzen Gegenstand die Wahrnehmung und vergleichen die  Empfindung mit einer anderen Stelle.
  • Nach dem Test sollten Sie die Schmerzunempfindlichkeit wieder aufheben.  Dazu geben Sie sich eine Suggestion mit etwa folgendem Inhalt:
    Der Arm ist wieder normal empfindlich und wird wieder gut durchblutet.
  • Dann gehen Sie erneut in die Selbsthypnose, geben sich die o. g. Suggestion  und ergänzen: ”Jedes Mal wirkt die Schmerzabschaltung besser” (intensiver und  länger). Sie beenden erneut die Selbsthypnose, testen und stellen fest, in wieweit  sich die Unempfindlichkeit verstärkt hat.
    Um sich wirklich davon zu überzeugen und um sich in der Zukunft auch sicher zu  fühlen, wollen viele Übende die Haut auch einmal mit einer Nadel durchstechen.
    Diesen Test brauchen Sie - wenn überhaupt - nur einmal zu machen, dann wissen Sie endgültig,  dass es funktioniert und wie sich eine wirksame Schmerzabschaltung anfühlt. (Bitte auf Sterilität  achten.)
  • Sie wiederholen diese Übung solange, bis Sie in einer einzigen kurzen  Selbsthypnose den Schmerz vollständig abschalten können. Dann ist das Hauptziel  erreicht.
    Es gibt jedoch drei sinnvolle Erweiterungen, die zu lernen empfehle:
  • Schmerz aus- und wieder einschalten:
    Sie lernen, den Schmerz mit Hilfe einer Suggestion wieder einzuschalten: ”Wenn  ich jetzt über den Arm streiche, ist der Arm wieder normal schmerzempfindlich”.
    Dann können Sie in mehreren kurz aufeinander folgenden Selbsthypnosen den Schmerz  abschalten und anschließend wieder anschalten. Wenn Sie die tiefe Selbsthypnose beherrschen,  dann sollte jede dieser Hypnosen nur ca. 30 bis 60 Sekunden dauern.
  • Den Schmerz an einer beliebigen Stelle des Körpers abschalten:
    Sie geben sich dieselbe Suggestion wie zuvor, nur wenden Sie dieses Mal den  anderen Arm. Wenn das funktioniert, dann wählen Sie verschiedene weitere  Körperstellen (Bein, Bauch), bis Sie sicher wissen, dass Sie von nun an jeden  beliebigen Bereich Ihres Körpers schmerzfrei ”schalten” können.
  • Schmerzunempfindlichkeit mittels Codewort (Keine Hypnose erforderlich):
    Sie geben sich in der Hypnose folgende Suggestion: ”Wenn ich den Schmerz  abschalten will reicht es von nun an, dass ich auf den betreffenden Körperteil zeige  und sage ”schmerzfrei”.” (dreimal wiederholen).
    Wenn diese Suggestion verinnerlicht wurde, sind Sie von nun an in der Lage, jederzeit in  Sekundenschnelle den Schmerz in jedem beliebigen Körperteil abzuschalten.

Prinzipiell kann das Schmerzerleben in Hypnose in zwei Richtungen verändert  werden. Es kann eine Schmerzunempfindlichkeit hergestellt werden, aber auch  eine Schmerzüberempfindlichkeit, bei der selbst die Berührung mit einer Feder  einen Schmerzreiz auslöst. Die zweite Möglichkeit spielt in der Behandlung von  Schmerzpatienten keine Rolle und soll an dieser Stelle deshalb nur erwähnt werden.

In tiefer Hypnose lässt sich die Schmerzunempfindlichkeit sehr schnell herstellen.  Man kann als Signal dafür eine automatische Fingerbewegung verwenden. Wenn  dieses ideomotorische Signal erfolgt, ist die Schmerzfreiheit eingetreten, was man  mit dem Stich einer Kanüle objektivieren kann.

Wenn die Fähigkeit der Schmerzabschaltung etabliert ist, wird sie suggestiv auf  den Patienten übertragen. Er ist dann in der Lage, die Schmerzwahrnehmung an  jedem beliebigen Ort des Körpers willentlich ein- und auch auszuschalten. Er selbst  kann das dann testen, z. B. am Unterarm.

Hinweis: Der Erfolg der Schmerzabschaltung hängt von der Tiefe der Hypnose ab  sowie von der geistigen Einstellung. Zweifel und Skepsis können verhindern, dass  die Suggestionen vollständig vom UB angenommen werden.  Ihre Skepsis wird  aber verschwinden, wenn sie sich bewusst machen, dass schon tausende von  Frauen unter hypnotischer Analgsie ihre Kinder völlig schmerzfrei zur Welt gebracht  haben. Unter hypnotischer Anästhesie wurden alle nur denkbaren Operationen  unter völliger Schmerzfreiheit durchgeführt, wie Beinamputationen,  Herzoperationen, Lungenresektionen und bei vielen anderen schweren Eingriffen.

Wichtiger Hinweis

Der Schmerz ist ein Warnsignal des Körpers. Wenn Sie dieses Signal abschalten,  kann es passieren, dass Sie wichtige Hinweise auf eine Erkrankung ignorieren und  ärztliche Behandlung nicht oder zu spät in Anspruch nehmen.

Sinnvoll ist die Schmerzabschaltung z. B. bei ”austherapierten” chronischen  Schmerzen und beim Krebsschmerz oder wenn Sie Schmerzen/Zahnschmerzen  haben und die Zeit bis zum Zahn/Arztbesuch überbrücken wollen. Im Zweifelsfall ist  es immer richtig, zuerst nach der Ursache des Schmerzes zu suchen.
(*1) (Wie Sie von der Narkose wissen, ist die Anästhesie mit einem Verlust des  Bewusstseins verbunden. Aus diesem Grund ist es korrekter, von einer  hypnotischen Analgesie zu sprechen.)

Hören Sie, welche Erfahrungen andere gemacht haben. (Zum Anhören bitte  auf den Text klicken und Lautsprecher einschalten):

Universitäts-Studie: Selbsthypnose lindert chronische Schmerzen

Wer die Selbsthypnose und vor allem die Schmerzabschaltung beherrscht, wird  sich fragen, wozu Studien nötig sind, um eine so objektive Wirkung der Hypnose  nachzuweisen. Ist es doch möglich, mit einer einzigen Hypnose zu demonstrieren,  dass man den Schmerz eines Menschen leicht vermindern bzw. ausschalten kann.  Auf der Homepage meiner Praxis finden Sie zahlreiche Belege dafür, dass  Hypnose in der therapeutischen Praxis sehr erfolgreich zur Schmerzbehandlung  eingesetzt werden kann. Aber es sind gerade  Studien, die zur Akzeptanz einer  Methode unter den Behandlern beitragen. Und die hier zitierte Studie bezieht sich  auf die Selbsthypnose.

In einer Studie am Georg-Elias-Müller-Institut für Psychologie an der Universität  Göttingen wurde nachgewiesen, dass Patienten mit chronischen Schmerzen ihre  Leiden durch Selbsthypnose lindern und damit auch den Bedarf an Schmerzmitteln  senken können. An der Studie nahmen 28 Schmerzpatienten teil, die unter  anderem an chronischen Rückenschmerzen, Migräne und Rheumaschmerzen litten.

Die Patienten lernten unter Anleitung geschulter Therapeuten, sich bei auftretenden  Schmerzattacken mittels Selbsthypnose in einen Zustand tiefer Entspannung zu  versetzen. Dadurch verringerten sich die Schmerzen deutlich. Die Patienten  konnten dauerhaft auf 60 bis 75 Prozent ihrer Medikamentendosis verzichten. Eine  Nachuntersuchung nach drei Monaten zeigte, dass die regelmäßige Selbsthypnose  zu einer nachhaltigen Verbesserung ihres körperlichen und seelischen  Wohlbefindens führte. Depressive Symptome hatten sich deutlich verringert, und  die Patienten konnten soziale und berufliche Aktivitäten wieder aufnehmen. Die  Medikamentendosis wurden bei Analgetika um 60 Prozent, bei Antidepressiva um  63 Prozent und bei Opiaten sogar um 75 Prozent gesenkt.

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